Transformation in vollem Gange – Studie zeigt differenziertes Bild
Die Automobilzulieferer in der Europäischen Metropolregion Nürnberg befinden sich mitten im Strukturwandel. Eine aktuelle Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts IW Consult im Auftrag der IHK Nürnberg für Mittelfranken belegt: Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen sich aktiv den Herausforderungen. Dennoch zeigt die zweite Transformations-Reifegradmessung nach 2023, dass weiterhin großer Unterstützungsbedarf besteht. Besonders die Orientierung in neue Branchen gewinnt zunehmend an Bedeutung und gilt für viele Unternehmen als Ausweg aus der Krise.
Region besonders stark betroffen
Mit rund 100.000 Beschäftigten und über 500 Zulieferern zählt die Metropolregion Nürnberg zu den automobilgeprägtesten Regionen Deutschlands. Während bundesweit lediglich 3,4 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der produktionsnahen Automobilwirtschaft tätig sind, liegt der Anteil in Bayern bei 4,9 Prozent – und in Teilen der Metropolregion noch deutlich höher. In Bamberg, Coburg und Erlangen-Höchstadt etwa ist mehr als jeder Zehnte in diesem Bereich beschäftigt. Damit ist klar: Der Wandel der Branche trifft die Region mit besonderer Wucht.
Erste Schritte – aber noch viel Weg vor sich
Die Studie zeigt, dass nahezu alle befragten Unternehmen erste Maßnahmen in Richtung Innovation, Digitalisierung und Kompetenzaufbau ergriffen haben. Von den 95 teilnehmenden Betrieben sind 79 Prozent KMU, fast die Hälfte beschäftigt weniger als 50 Mitarbeitende. Der sogenannte kulturell-technologische Reifegrad dient als Maßstab: 5 Prozent zählen zur „Avantgarde“ mit hoher Innovationskraft, 53 Prozent gelten als „Vorreiter“, 41 Prozent als „Fortgeschrittene“. Lediglich 2 Prozent bleiben noch „Anfänger“. Die Ergebnisse belegen: Viele Betriebe haben ihre Weichen gestellt – doch für die Mehrheit liegt der Weg der Transformation noch vor ihnen.
Netzwerke als Schlüssel zum Erfolg
Eine entscheidende Rolle spielen regionale Initiativen wie das Zulieferer-Netzwerk trans-form_EMN. Die Zusammenarbeit innerhalb solcher Plattformen hat sich laut Studie deutlich intensiviert: 41 Prozent der Unternehmen bewerten die Kooperation mit Netzwerken mittlerweile als (sehr) erfolgreich – ein Anstieg gegenüber 2023. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die oft größere Hürden bewältigen müssen als die großen Player, profitieren stark von diesem Austausch“, betont Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Wirtschaftsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg.
Diversifikation gewinnt an Bedeutung
Während die Umstellung auf den elektrischen Antriebsstrang nur langsam voranschreitet, setzen die Unternehmen verstärkt auf neue Geschäftsfelder. Ganze 92 Prozent der Befragten planen, Produkte und Dienstleistungen jenseits der klassischen Automobilindustrie zu entwickeln. Dieser Schritt soll die Abhängigkeit von einem einzigen Markt verringern und neue Wachstumschancen eröffnen. „Die Transformation bedeutet für viele Unternehmen nicht nur den Wechsel zur Elektromobilität, sondern bewusst auch die Öffnung in andere Branchen“, erklärt Dr. Ronald Künneth, Automotive-Experte der IHK Nürnberg.
Blick nach vorn – Chancen und Risiken im Strukturwandel
Die Herausforderungen bleiben jedoch enorm: Energiepreise, Standortverlagerungen von Kunden sowie ein unsicheres wirtschaftliches Umfeld stellen große Risiken dar. Umso wichtiger sind innovative Ansätze und gemeinsame Anstrengungen aller Akteure. „Arbeitgeber, Beschäftigte, Wissenschaft, Politik, Kammern und Gewerkschaften müssen an einem Strang ziehen, um die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern“, fordert Stephan Doll, Geschäftsführer des DGB Mittelfranken. Die Studie zeigt deutlich: Die Autozulieferer der Metropolregion Nürnberg haben den Weg der Transformation eingeschlagen – aber sie stehen erst am Anfang einer langen Reise.









