Am 1. September begannen in Mittelfranken 6.663 junge Menschen ihre berufliche Laufbahn in Industrie, Handel und Dienstleistungen. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen bleibt die duale Ausbildung damit eine starke Säule für die Fachkräftesicherung in der Region. Zwar verzeichnet die IHK Nürnberg für Mittelfranken im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 2,9 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, doch angesichts des fehlenden Abiturjahrgangs wertet sie dieses Ergebnis als Erfolg.
Besonderes Jahr mit besonderen Umständen
Der leichte Rückgang ist vor allem der Umstellung von G8 auf G9 geschuldet: In diesem Jahr verlassen 85 Prozent weniger Abiturienten die Gymnasien als üblich. Die geringere Zahl an Schulabgängerinnen und -abgängern wirkt sich direkt auf den Ausbildungsmarkt aus. Dennoch ist das Interesse an der dualen Ausbildung hoch – ein positives Signal für Unternehmen wie Jugendliche.
Viele Lehrstellen noch unbesetzt
Stefan Kastner, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Berufsbildung, ruft Jugendliche ohne Ausbildungsplatz dazu auf, ihre Suche fortzusetzen. „Auch jetzt stellen viele mittelfränkische Betriebe gerne noch Auszubildende ein. Wer also bisher noch nicht die passende Stelle gefunden hat, sollte nicht verzagen! Niemand muss bis zum nächsten Jahr warten, denn eine Ausbildung kann jederzeit begonnen werden“, betont Kastner.
Unterschiedliche Trends in technischen Berufen
Besonders in den gewerblich-technischen Berufen gibt es Unterschiede in der Entwicklung: Insgesamt wurden bisher 2.307 Lehrverträge abgeschlossen – ein Minus von 8,7 Prozent. Während die Zahl der Fachinformatiker/-innen in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung um 30 Prozent sank, blieb die Fachrichtung Systemintegration stabil. Rückgänge verzeichneten außerdem Industriemechaniker/-innen (minus 8 Prozent), Werkzeugmechaniker/-innen (minus 33 Prozent) und Zerspanungsmechaniker/-innen (minus 13 Prozent). Positiv sticht hingegen der Beruf der Elektroniker/-innen für Betriebstechnik hervor – hier gab es ein Plus von 26 Prozent.
Kaufmännische Berufe im Aufwind
Im kaufmännischen Bereich zeigt sich ein anderes Bild: Mit 4.356 neuen Verträgen liegt die Zahl leicht über dem Vorjahresniveau (+0,4 Prozent). Besonders stark nachgefragt sind Industriekaufleute (+7 Prozent), Bankkaufleute (+27 Prozent) und Berufe im Einzelhandel (Verkäufer/-innen +22 Prozent, Kaufleute im Einzelhandel +6 Prozent). Einen deutlichen Aufwärtstrend gibt es auch im Hotel- und Gaststättengewerbe, wo die Eintragungszahlen zum vierten Mal in Folge kräftig gestiegen sind (+22 Prozent). Vor allem zweijährige Berufe wie Fachkraft Gastronomie (+26 Prozent) oder Fachkraft Küche (+66 Prozent) erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Rückläufig hingegen sind aktuell die Verträge bei Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen (minus 10 Prozent).
Unterstützung durch die IHK: Beratung und Lehrstellenbörse
Um Jugendlichen den Weg in eine Ausbildung zu erleichtern, bietet die IHK Nürnberg für Mittelfranken umfassende Unterstützung. In den „Offenen Sprechstunden“ von Montag bis Donnerstag zwischen 13 und 15.30 Uhr im „Haus der Wirtschaft“ am Hauptmarkt können Interessierte ohne Termin individuelle Beratung erhalten. Zusätzlich bietet die IHK-Lehrstellenbörse Mittelfranken ein breites Online-Angebot an freien Ausbildungsplätzen. Unternehmen können dort unkompliziert ihre offenen Stellen einstellen, während Jugendliche passende Angebote direkt finden und sich bewerben können.
Nachvermittlungsbörse als Chance
Ein weiterer wichtiger Termin ist die Nachvermittlungsbörse am Montag, 13. Oktober 2025. Zwischen 13 und 15 Uhr haben Bewerberinnen und Bewerber im „Haus der Wirtschaft“ die Gelegenheit, mit zahlreichen Ausbildungsbetrieben ins Gespräch zu kommen. Interessierte Unternehmen können sich über die IHK-Homepage anmelden, Jugendliche benötigen keine Anmeldung und können spontan teilnehmen.
Fazit: Große Chancen für Jugendliche und Betriebe
Die duale Ausbildung bleibt ein verlässlicher und attraktiver Start in das Berufsleben. Gerade in einem Jahr mit besonderen Herausforderungen zeigt sich: Die Betriebe in Mittelfranken sind bereit, jungen Menschen Perspektiven zu geben. Wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte die zahlreichen Angebote der IHK nutzen und sich aktiv bewerben – die Chancen stehen weiterhin sehr gut.









