Die Amortisation ist die Zahl, die am Ende jede PV-Entscheidung besiegelt oder verhindert. Wie lange dauert es, bis die Anlage ihre Kosten wieder eingespielt hat? Ab wann verdient sie Geld? Die Antwort hängt von Investition, Eigenverbrauch, Strompreis und Einspeisevergütung ab. Hier steht, wie man die Amortisation selbst berechnet, mit welchen Zahlen man rechnen sollte und warum die meisten Online-Rechner zu optimistisch sind.
Die Grundformel
Amortisation in Jahren gleich Investitionskosten geteilt durch jährlichen Nettoertrag.
Der jährliche Nettoertrag setzt sich zusammen aus: dem eingesparten Netzstrom (selbst verbrauchter Solarstrom mal Netzstrompreis) plus der Einspeisevergütung (eingespeister Strom mal Vergütungssatz) minus den laufenden Kosten (Wartung, Versicherung, Zählermiete) minus der anteiligen Rücklage für den Wechselrichtertausch.
Klingt kompliziert, ist mit konkreten Zahlen aber machbar.
Rechenbeispiel: 10 kWp ohne Speicher
Investition: 12.000 Euro (schlüsselfertig, 0 Prozent MwSt).
Jährlicher Ertrag: 10.000 kWh (1.000 kWh pro kWp, Mitteldeutschland).
Eigenverbrauchsanteil: 30 Prozent gleich 3.000 kWh.
Einspeisung: 7.000 kWh.
Netzstrompreis: 38 Cent pro kWh.
Einspeisevergütung: 7,78 Cent pro kWh.
Eingesparter Netzstrom: 3.000 mal 0,38 gleich 1.140 Euro.
Einspeisevergütung: 7.000 mal 0,0778 gleich 545 Euro.
Brutto-Ertrag: 1.685 Euro.
Laufende Kosten: 250 Euro (Wartung 120, Versicherung 100, Zähler 30).
Rücklage Wechselrichter: 72 Euro pro Jahr (1.800 Euro nach 12 Jahren, auf 25 Jahre umgelegt).
Netto-Ertrag: 1.685 minus 322 gleich 1.363 Euro pro Jahr.
Amortisation: 12.000 geteilt durch 1.363 gleich 8,8 Jahre.
Nach 8,8 Jahren hat die Anlage ihren Kaufpreis eingespielt. Ab dann ist jeder Euro Ertrag Gewinn. Bei einer Lebensdauer von 25 Jahren bleiben 16 Jahre reiner Gewinn: 16 mal 1.363 gleich 21.808 Euro. Nicht schlecht für eine Investition von 12.000 Euro.
Rechenbeispiel: 10 kWp mit 10-kWh-Speicher
Investition: 18.000 Euro.
Eigenverbrauch mit Speicher: 65 Prozent gleich 6.500 kWh.
Einspeisung: 3.500 kWh.
Eingesparter Netzstrom: 6.500 mal 0,38 gleich 2.470 Euro.
Einspeisevergütung: 3.500 mal 0,0778 gleich 272 Euro.
Brutto-Ertrag: 2.742 Euro.
Laufende Kosten: 300 Euro.
Rücklage Wechselrichter: 72 Euro.
Rücklage Speichertausch nach 15 Jahren: 140 Euro pro Jahr.
Netto-Ertrag: 2.742 minus 512 gleich 2.230 Euro pro Jahr.
Amortisation: 18.000 geteilt durch 2.230 gleich 8,1 Jahre.
Der Speicher macht die Investition teurer, aber der Netto-Ertrag steigt überproportional. Die Amortisation ist sogar kürzer als ohne Speicher, weil der höhere Eigenverbrauch so viel mehr wert ist.
Was die Amortisation beeinflusst
Der Eigenverbrauchsanteil ist der stärkste Hebel. Jede kWh, die man selbst verbraucht statt einzuspeisen, bringt 30 Cent mehr (38 Cent Netzstrompreis minus 7,78 Cent Einspeisevergütung). Bei 1.000 kWh mehr Eigenverbrauch pro Jahr verkürzt sich die Amortisation um rund ein Jahr.
Der Strompreis ist der zweite große Faktor. Bei 30 Cent statt 38 Cent pro kWh verschlechtert sich die Amortisation um etwa ein Jahr. Bei 45 Cent verbessert sie sich um ein Jahr. Die meisten Berechnungen gehen von einem konstanten Strompreis aus, was konservativ ist. In den letzten 20 Jahren ist der Strompreis im Schnitt um 3 bis 4 Prozent pro Jahr gestiegen. Rechnet man eine jährliche Steigerung von 2 Prozent ein, verkürzt sich die Amortisation um 1 bis 2 Jahre.
Die Anlagengröße spielt ebenfalls eine Rolle. Größere Anlagen sind pro kWp günstiger, weil die Fixkosten (Gerüst, Elektriker, Anfahrt) auf mehr Module verteilt werden. Eine 5-kWp-Anlage amortisiert sich langsamer als eine 10-kWp-Anlage, obwohl sie absolut gesehen weniger kostet.
Die Einspeisevergütung sinkt halbjährlich um 1 Prozent. Wer heute installiert, bekommt 7,78 Cent für 20 Jahre. Wer ein Jahr wartet, bekommt weniger. Der Effekt ist über 20 Jahre nicht vernachlässigbar.
Die laufenden Kosten werden in vielen Online-Rechnern unterschlagen. 250 bis 350 Euro pro Jahr klingen nach wenig, aber über 25 Jahre sind das 6.250 bis 8.750 Euro. Und der Wechselrichtertausch nach 12 Jahren (1.000 bis 2.500 Euro) fehlt in den meisten Renditeversprechen der Anbieter.
Warum Online-Rechner oft zu optimistisch sind
Viele PV-Rechner im Internet zeigen Amortisationszeiten von 6 bis 7 Jahren. Das klingt verlockend, ist aber meistens zu optimistisch, weil:
Die laufenden Kosten fehlen. Kein Wartungsbudget, keine Versicherung, keine Zählermiete. Das sind 250 bis 350 Euro pro Jahr, die den Netto-Ertrag um 15 bis 20 Prozent senken.
Der Wechselrichtertausch nicht eingepreist ist. 1.000 bis 2.500 Euro nach 10 bis 15 Jahren fehlen in der Rechnung.
Der Eigenverbrauch zu hoch angesetzt wird. Manche Rechner nehmen 40 oder 50 Prozent Eigenverbrauch ohne Speicher an, obwohl der Durchschnitt bei 25 bis 30 Prozent liegt.
Die Degradation der Module ignoriert wird. 0,4 bis 0,8 Prozent Leistungsverlust pro Jahr summiert sich über 25 Jahre auf 10 bis 18 Prozent weniger Ertrag.
Steigende Netzentgelte und Umlagen nicht berücksichtigt werden. Die Einspeisevergütung ist fix, aber der eigene Strombezug aus dem Netz könnte durch steigende Umlagen teurer werden, was den Eigenverbrauch wertvoller macht, in der Rechnung aber selten auftaucht.
Wer eine realistische Amortisation will, rechnet konservativ: mit dem aktuellen Strompreis (keine Steigerung annehmen), mit 30 Prozent Eigenverbrauch (ohne Speicher) oder 65 Prozent (mit Speicher), mit 250 bis 350 Euro laufenden Kosten pro Jahr und mit einem Wechselrichtertausch nach 12 Jahren.
Die Rendite: Besser als der Vergleich suggeriert
Die Amortisation in 8 bis 9 Jahren klingt lang. Ist es aber nicht. Denn nach der Amortisation läuft die Anlage noch 15 bis 17 Jahre weiter und produziert reinen Gewinn. Über die gesamte Lebensdauer von 25 Jahren ergibt sich eine interne Rendite (IRR) von 7 bis 10 Prozent pro Jahr auf die Gesamtinvestition.
Zum Vergleich: Festgeld bringt 2026 etwa 2 bis 3 Prozent. Ein breit gestreuter ETF liefert langfristig 6 bis 8 Prozent, aber mit Schwankungen und Risiko. Eine PV-Anlage liefert 7 bis 10 Prozent, weitgehend risikoarm, steuerlich begünstigt und mit dem Zusatznutzen von Unabhängigkeit und Klimaschutz.
Die PV-Anlage ist eine der wenigen Investitionen, die gleichzeitig Rendite erwirtschaftet, das Vermögen absichert (gegen steigende Strompreise) und etwas für die Umwelt tut. Dass die Amortisation nicht in drei Jahren passiert, sondern in acht bis neun, ist im Kontext einer 25-jährigen Lebensdauer kein Argument dagegen.
Wie man die eigene Amortisation berechnet
Schritt 1: Investitionskosten ermitteln. Aus dem Angebot des Solarteurs, schlüsselfertig, inklusive allem.
Schritt 2: Jährlichen Ertrag berechnen. Anlagengröße mal spezifischen Ertrag (900 bis 1.100 kWh pro kWp).
Schritt 3: Eigenverbrauch und Einspeisung aufteilen. Ohne Speicher: 30 Prozent Eigenverbrauch. Mit Speicher: 65 Prozent. Eigenverbrauch mal Strompreis plus Einspeisung mal Vergütung gleich Brutto-Ertrag.
Schritt 4: Laufende Kosten abziehen. 250 bis 350 Euro pro Jahr plus anteilige Rücklage für Wechselrichter.
Schritt 5: Investition durch Netto-Ertrag teilen. Das Ergebnis ist die Amortisationszeit in Jahren.
Der HTW Berlin Unabhängigkeitsrechner zeigt Eigenverbrauch und Autarkie für verschiedene Konfigurationen. Zusammen mit den eigenen Kostendaten hat man damit alles, was man für eine realistische Amortisationsrechnung braucht.







