Der aktuelle OECD-Bildungsbericht „Bildung auf einen Blick“ liefert ein gemischtes Bild für das deutsche Bildungssystem. Während die Berufliche Bildung als internationale Stärke hervorgehoben wird, zeigt die Studie eine beunruhigende Entwicklung: Immer mehr Schulabgängerinnen und -abgänger erreichen nicht das notwendige Kompetenzniveau in den Kernfächern Deutsch und Mathematik. Für die Ausbildungsbetriebe, besonders im Handwerk, stellt dies eine wachsende Herausforderung dar.
Handwerk warnt vor wachsenden Passungsproblemen
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), macht deutlich: „Viele junge Menschen starten mit unzureichenden Grundkenntnissen in ihre Ausbildung. Das erschwert es den Betrieben erheblich, ihre Auszubildenden erfolgreich bis zum Abschluss zu begleiten.“ Die Folge seien steigende Abbruchquoten und eine zunehmende Belastung der Ausbilderinnen und Ausbilder, die mehr Zeit und Ressourcen aufwenden müssen, um Lernlücken zu schließen.
Stärkung der Grundkompetenzen als Schlüssel
Der ZDH fordert daher ein konsequentes Gegensteuern. Vorrangig müsse die Vermittlung von Basiskompetenzen im Schulunterricht verbessert werden. Ohne solide Kenntnisse in Deutsch und Mathematik sei weder ein erfolgreicher Berufseinstieg noch eine nachhaltige Fachkräftesicherung möglich. Besonders im Hinblick auf den ohnehin angespannten Ausbildungsmarkt sei dies von zentraler Bedeutung.
Frühe Diagnose und individuelle Förderung
Ein Kernanliegen des Handwerks ist die flächendeckende Einführung eines Diagnosesystems an allen allgemeinbildenden Schulen. Dieses soll Defizite in den Grundkompetenzen frühzeitig sichtbar machen, sodass gezielte Fördermaßnahmen noch vor dem Schulabschluss greifen können. „Nur wenn wir rechtzeitig gegensteuern, verhindern wir, dass Jugendliche mit großen Lernrückständen ins Berufsleben starten“, betont Schwannecke.
Unterstützung durch Bund und Länder gefordert
Neben den Schulen sieht der ZDH auch Bund und Länder in der Pflicht. Programme wie die Einstiegsqualifizierung und die Assistierte Ausbildung müssten stärker beworben werden, um Betriebe und Jugendliche gleichermaßen zu erreichen. Außerdem müsse die finanzielle Förderung des ehrenamtlichen Mentorenprogramms „VerAplus“ dauerhaft gesichert werden. Dieses hat sich bewährt, um Jugendliche individuell zu begleiten und Ausbildungserfolge zu sichern.
Mehr Berufsorientierung für bessere Passung
Ein weiterer Hebel sei eine verbesserte Berufsorientierung bereits in der Sekundarstufe I. Wenn Jugendliche frühzeitig Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten, können sie fundiertere Entscheidungen treffen und Ausbildungsabbrüche vermeiden. Gleichzeitig profitieren Betriebe, da sie passende Bewerberinnen und Bewerber gewinnen, die wirkliches Interesse am gewählten Beruf mitbringen.
Berufliche Bildung bleibt Erfolgsmodell
Trotz der aktuellen Herausforderungen betont der ZDH die große Bedeutung der dualen Ausbildung: Sie sei international anerkannt und biete jungen Menschen hervorragende Karrierechancen. Damit dieses Erfolgsmodell auch in Zukunft funktioniert, brauche es jetzt entschlossenes Handeln aller Beteiligten. „Die Politik muss sicherstellen, dass kein Talent verloren geht – weder für die Jugendlichen selbst noch für unsere Wirtschaft“, so Schwannecke abschließend.









