Das Wichtigste in Kürze
Unter die Bodenplatte gehören KG-Rohre auf einem verdichteten Sandbett, mit mindestens 0,5 cm Gefälle pro Meter, geprüft vor dem Betonieren.
- Graue HT-Rohre sind für Leitungen im Haus gemacht, nicht fürs Erdreich.
- Reinigungsöffnung direkt am Fuß jeder Fallleitung und in Grundleitungen mindestens alle 20 m (DIN 1986-100).
- Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610, solange die Verbindungen noch frei liegen.
- Defekte Leitung: erst Kamera-Inspektion. Kurzliner ab etwa 200 Euro je Schadstelle, Schlauchliner 200 bis 300 Euro, Neuverlegung 300 bis 600 Euro je Meter.
- Oft einfacher: neue Leitung unter der Kellerdecke statt Aufstemmen.
Abwasserleitungen, die im Erdreich unter der Bodenplatte liegen, heißen Grundleitungen. Nach dem Betonieren kommt niemand mehr an sie heran. Fehler bei Rohr, Gefälle oder Reinigungsöffnungen lassen sich dann nur noch mit Presslufthammer beheben. Bemessen werden Grundleitungen nach DIN 1986-100, eingebaut nach DIN EN 1610. Wie die Leitung außerhalb des Hauses weitergeht, steht im Beitrag Abwasserrohre im Erdreich verlegen. Grundregeln für die Leitungsführung im Haus finden Sie auf dieser Seite.
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Welche Rohre gehören unter die Bodenplatte?
Unter die Bodenplatte gehören KG-Rohre. Die orangebraunen Rohre aus PVC-U sind für Erddruck gebaut und werden meist in der Ringsteifigkeit SN 4 verlegt, bei höherer Last in SN 8. Eine Alternative ist KG 2000 aus Polypropylen. Graue HT-Rohre sind für Leitungen innerhalb des Gebäudes gedacht und gehören nicht ins Erdreich. Den Unterschied erklärt der Beitrag HT vs. KG Rohr.
| Rohr | Farbe, Material | Einsatz |
|---|---|---|
| KG-Rohr | orangebraun, PVC-U | Grundleitung unter der Bodenplatte und im Erdreich |
| KG 2000 | grün, Polypropylen | Grundleitung, Alternative zum PVC-Rohr |
| HT-Rohr | grau, Polypropylen | Anschluss-, Fall- und Sammelleitungen im Gebäude, nicht im Erdreich |
Material und Werkzeug
- KG-Rohre und Formstücke: Bögen 15°, 30° und 45°, Abzweige, Reinigungsrohre
- Gleitmittel des Rohrherstellers
- steinfreier Sand oder Sand-Kies für die Bettung
- Säge mit Schneidlade, Entgrater
- Wasserwaage, für längere Strecken Schnur, Laser oder Nivelliergerät
- Handstampfer
- Prüfstopfen oder Absperrblasen für die Dichtheitsprüfung
Grundleitung unter der Bodenplatte verlegen: Schritt für Schritt
- Plan zeichnen. Lage aller Fallleitungen, Bodenabläufe und Reinigungsöffnungen, dazu die Höhe des Kanalanschlusses. Der Anschluss an den öffentlichen Kanal braucht die Genehmigung der Gemeinde.
- Höhen festlegen. Vom Anschlusspunkt am Kanal mit dem Gefälle rückwärts bis zur entferntesten Fallleitung rechnen. Daraus ergibt sich, wie tief jede Strecke liegt.
- Gräben vorbereiten. Steine und Wurzeln entfernen, die Sohle grob im Gefälle abziehen.
- Bettung einbringen. Mindestens 10 cm steinfreies Material verdichten und im Gefälle abziehen. An den Muffen kleine Mulden lassen, damit das Rohr auf ganzer Länge aufliegt.
- Rohre verlegen. Vom tiefsten Punkt aus bergauf, die Muffen zeigen zum oberen Leitungsende. Richtungswechsel mit Bögen herstellen, nie durch Abwinkeln in der Muffe.
- Durchführungen setzen. Die senkrechten Anschlüsse für Fallleitungen und Abläufe genau einmessen, gegen Verschieben sichern und oben verschließen, damit kein Beton hineinläuft.
- Dichtheit prüfen. Nach DIN EN 1610, solange alle Verbindungen sichtbar sind.
- Einbetten und dokumentieren. Seitlich lagenweise verfüllen und von Hand verdichten, Rohrscheitel mindestens 15 cm überdecken. Vorher alles fotografieren und einmessen.
Gefälle unter der Bodenplatte
Nach DIN 1986-100 brauchen Schmutzwasser-Grundleitungen im Gebäude mindestens 0,5 cm Gefälle pro Meter (1:200). Außerhalb des Gebäudes gilt mindestens 1:DN, bei DN 100 also 1 cm pro Meter. Geplant werden in der Praxis meist 1 bis 2 cm pro Meter, weil schon kleine Ungenauigkeiten beim Verlegen sonst Mulden erzeugen, in denen sich Feststoffe absetzen.
Prüfen lässt sich das mit einer 1 m langen Wasserwaage und einem 1 cm dicken Klötzchen am tieferen Ende. Steht die Blase dann mittig, hat das Rohr 1 % Gefälle. Auf langen Strecken arbeiten Sie besser mit Schnur, Laser oder Nivelliergerät und kontrollieren die Höhe an Anfang und Ende jedes Rohrs.
Wie tief liegen Abwasserrohre unter der Bodenplatte?
Eine feste Mindesttiefe unter dem Gebäude gibt es nicht. Die Lage folgt aus der Höhe des Kanalanschlusses und dem Gefälle bis zur letzten Fallleitung. Bei langen Leitungen oder einem hoch liegenden Kanal wird es deshalb schnell knapp. Dann hilft nur eine andere Leitungsführung oder eine Hebeanlage für die tiefsten Abläufe. Wo die Leitung unter dem Fundament ins Freie geht, gelten die Regeln für erdverlegte Leitungen, also frostfrei, meist mindestens 80 cm Überdeckung.
Abwasserrohre in die Bodenplatte einbetonieren?
Grundleitungen liegen im Sandbett unter der Platte, nicht im Beton. Durch die Platte führen nur die senkrechten Anschlussstücke. Ist die Bodenplatte als wasserundurchlässiger Beton (weiße Wanne) geplant, brauchen diese Durchführungen einen Dichtflansch oder ein Durchführungssystem für WU-Beton. Welches, legt der Planer fest.
Nachträglich ein Rohr durch die Bodenplatte
Soll später ein Ablauf dazukommen, wird die Platte aufgeschnitten oder kernbebohrt. Dabei wird Bewehrung durchtrennt. Klären Sie das vorher mit einem Tragwerksplaner, und lassen Sie bei abgedichteten Platten die Abdichtung fachgerecht wiederherstellen. Der neue Anschluss muss mit Gefälle an die bestehende Grundleitung kommen. Liegt sie zu hoch oder zu weit weg, ist eine Hebeanlage meist die einfachere Lösung.
Revisionsöffnungen nach DIN 1986-100
Durch eine Reinigungsöffnung kommen Spirale, Spülschlauch und Kamera in die Leitung. Fehlt sie, muss bei der ersten Verstopfung jemand stemmen. DIN 1986-100 (Abschnitt 6.6 der Ausgabe 2008) schreibt vor:
- ein Reinigungsrohr unmittelbar am Übergang jeder Fallleitung in die liegende Leitung,
- Reinigungsöffnungen in Grundleitungen mindestens alle 20 m,
- ohne Richtungsänderung dazwischen sind bis DN 150 bis zu 40 m Abstand erlaubt, ab DN 200 in Schächten mit offenem Durchfluss bis zu 60 m,
- bei Richtungsänderungen über 30° zusätzlich Inspektionsöffnungen möglichst nah am Bogen,
- eine Reinigungsöffnung nahe der Grundstücksgrenze, in der Regel höchstens 15 m vom öffentlichen Kanal entfernt.
Unter der Bodenplatte werden Reinigungsrohre mit rechteckiger Öffnung verwendet, wenn es keinen Schacht mit offenem Durchfluss außerhalb des Gebäudes gibt. In Räumen, in denen Lebensmittel verarbeitet oder gelagert werden, sind Reinigungsöffnungen nicht erlaubt. Wichtig ist vor allem, dass jede Öffnung erreichbar bleibt, etwa in einem Revisionsschacht mit Deckel. Eine Öffnung, die unter Estrich und Fliesen verschwindet, hilft niemandem. Ob ein Kontrollschacht an der Grundstücksgrenze Pflicht ist und wie er aussehen muss, regelt die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde.
Abwasserrohr unter der Bodenplatte erneuern
Typische Hinweise auf eine defekte Grundleitung sind Verstopfungen, die immer wiederkommen, Kanalgeruch im Keller, feuchte Stellen im Boden oder Absackungen entlang der Leitung. Bevor jemand stemmt, fährt ein Fachbetrieb über eine Reinigungsöffnung mit einer Kamera durch die Leitung und dokumentiert Risse, versetzte Muffen, Wurzeln oder Brüche. Ob und wann Sie eine Dichtheitsprüfung nach DIN 1986-30 vorlegen müssen, regeln Land und Gemeinde. Was Sie dabei selbst tun können, steht im Beitrag Dichtheitsprüfung Abwasser selber machen.
| Verfahren | Wann geeignet | Kosten Einfamilienhaus | Nutzungsdauer |
|---|---|---|---|
| Reparatur: Kurzliner, Innenmanschette, Flutung, kleine Aufgrabung | einzelne, örtlich begrenzte Schäden | in der Regel 200 bis 600 Euro je Reparatur | 2 bis 15 Jahre |
| Renovierung: Schlauchliner (Inliner) | viele Schäden über die ganze Länge, Rohr noch standfest | in der Regel 200 bis 300 Euro je Meter | 25 bis 40 Jahre |
| Erneuerung: Aufstemmen und neu verlegen | Bruch, starke Verformung, Lageabweichung | in der Regel 300 bis 600 Euro je Meter, unter der Bodenplatte besonders aufwendig | 50 bis 80 Jahre |
Die Zahlen stammen aus einer Entscheidungshilfe des NRW-Umweltministeriums. Die Nutzungsdauern beruhen auf den KVR-Leitlinien von 2012, die Preise dürften heute höher liegen. Liner verengen den Querschnitt und füllen keine Hohlräume im Boden. Für Bögen und versetzte Rohre eignen sie sich nur eingeschränkt.
Muss die Leitung unter der Bodenplatte ganz raus, nennt dieselbe Broschüre eine oft einfachere Lösung: neue Leitungen sichtbar unter der Kellerdecke führen und die alte Grundleitung stilllegen. Das erspart Stemmen, Abdichtung und neuen Estrich. Abläufe im Keller, die dann tiefer liegen als die neue Leitung, brauchen allerdings eine Hebeanlage.
Häufige Fehler bei der Planung und Verlegung
| Fehler | Folgen | Vermeidung |
|---|---|---|
| HT-Rohr statt KG-Rohr unter der Platte | Rohr verformt sich unter Erddruck | KG-Rohr SN 4 oder SN 8 |
| Gefälle nach Augenmaß | Mulden, Ablagerungen, Verstopfungen | mindestens 0,5 cm/m, praxisüblich 1 bis 2 cm/m, jedes Rohr einmessen |
| Keine Reinigungsöffnung am Fuß der Fallleitung | Bei Verstopfung muss gestemmt werden | Reinigungsrohr an jedem Übergang, erreichbar halten |
| Rohr liegt auf Muffe oder Stein | Punktlast, Bruch | Muffenmulden, steinfreie Bettung |
| Richtungswechsel in der Muffe abgewinkelt | undichte Verbindung | Bögen 15° bis 45° verwenden |
| Dichtheitsprüfung vergessen | Leck wird erst unter der fertigen Platte entdeckt | Prüfung nach DIN EN 1610 vor dem Betonieren |
Dichtheitsprüfung vor dem Betonieren
Neue Grundleitungen werden nach DIN EN 1610 mit Wasser (Verfahren W) oder Luft (Verfahren L) geprüft, solange die Verbindungen frei liegen. Bei der Wasserprüfung wird die Strecke mit Absperrblasen verschlossen und gefüllt. In 30 Minuten dürfen höchstens 0,15 Liter je Quadratmeter benetzter Innenfläche nachgefüllt werden. Viele Gemeinden wollen das Prüfprotokoll bei der Abnahme sehen. Eine Sichtprüfung auf Lage, Gefälle und sauber eingeschobene Muffen gehört davor.
Profi-Tipp der inoutic-Redaktion
Fotografieren Sie die fertige Grundleitung, bevor Sand darüberkommt, und zwar mit ausgelegtem Maßband im Bild. Messen Sie jede Durchführung und jeden Abzweig auf zwei feste Punkte ein, etwa zwei Außenecken der Platte, und notieren Sie die Rohrhöhen an Anfang und Ende jeder Strecke. Wer Jahre später einen Ablauf ergänzen oder einen Schaden suchen muss, weiß damit, wo er bohren darf. Im Bestand fragen Sie bei der Kamera-Inspektion nach einer Ortung: Viele Kameraköpfe haben einen Sender, dessen Lage und Tiefe sich von oben mit einem Empfänger bestimmen lässt. Der Betrieb markiert die Schadstelle dann direkt auf dem Kellerboden, und aufgestemmt wird nur dort statt auf Verdacht.
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.











